#11 Warum Trainings nicht nur Spaß bringen müssen

Seit meiner Weiterbildung zum Lerncoach beschäftige ich mich wieder verstärkt mit lebenslangem Lernen. Ich bezeichne mich selbst als „Lernenthusiastin" und bilde mich regelmäßig weiter, doch im beruflichen Alltag kommt echtes Lernen oft zu kurz. Gerade in meinen Einsätzen als Interim Managerin dreht sich vieles um Konsolidierung und Stabilisierung. Für aktive Weiterentwicklung bleibt da wenig Raum.

Dabei möchte ich HR-Transformation und Lernen stärker miteinander verknüpfen. Denn erfolgreiche Transformation funktioniert ohne Lernen nicht. Und Lernen ohne Anstrengung, ohne das Verlassen der Komfortzone? Das funktioniert ebenfalls nicht.

Die Komfortzone: Für die einen Spaß, für die anderen Stress

Glück haben alle, für die „raus aus der Komfortzone" gleichbedeutend mit Spaß ist. Doch bei vielen bedeutet es unangenehme Gefühle bis hin zu echter Panik. Unsicherheit verunsichert. Deshalb wird Lernen in Form eines Trainings manchmal auch als Strafe oder sogar Bedrohung empfunden.

Die Konsequenz? In Unternehmen sind vor allem Veranstaltungen gefragt, die Spaß bringen. Und das Feedback dazu ist meistens bestens. Wenn es um Mitarbeiterzufriedenheit geht, scheint das ein tolles Instrument zu sein.

Popcorn-Trainings: unterhaltsam, aber wirkungslos?

Doch gehen Mitarbeitende wirklich nur auf Trainings, um Spaß zu haben? Axel Koch nennt diese Art von Veranstaltungen in seiner Haufe-Kolumne treffend „Popcorn-Trainings". Doch aus Sicht einer erfolgreichen Transformation und dem Anspruch eines bestmöglichen ROIs greift das viel zu kurz.

Ein Beispiel aus meiner Praxis: Eine Führungskraft kam nach einem Konfliktmanagement-Training zunächst frustriert zurück. „Das war anstrengend, ich musste mich mit unangenehmen Situationen auseinandersetzen." Drei Monate später erzählte sie mir, wie sie zum ersten Mal ein schwieriges Mitarbeitergespräch wirklich konstruktiv führen konnte. Das Training hatte gepikst – und genau deshalb gewirkt.

Herausforderung und Freude schließen sich nicht aus

Trainings dürfen ruhig piksen und herausfordernd sein, denn dann kann etwas Neues wachsen. Das heißt nicht, dass Lernen keinen Spaß machen darf. Im Gegenteil: Die besten Trainings verbinden beides. Sie schaffen einen Raum, in dem Menschen sich sicher genug fühlen, um Neues zu wagen, und gleichzeitig gefordert werden, ihre Grenzen zu erweitern.

Natürlich braucht es dafür ein vertrauensvolles und wertschätzendes Umfeld, in dem Fehler gemacht werden dürfen, ohne dass Sanktionen drohen. Aber das sollte heutzutage selbstverständlich sein. Es gibt so viele gute Trainingsanbieter, für die genau das oberstes Gebot ist.

Führungskräfte als Enabler des Transfers

Ein oft unterschätzter Faktor: Auch das beste Training verpufft, wenn Führungskräfte nicht dahinterstehen. Sie müssen den Raum schaffen, damit Mitarbeitende das Gelernte im Arbeitsalltag anwenden können. Das bedeutet: Zeit geben für Reflexion, Fehler als Lernchancen verstehen, aktiv nachfragen, was sich verändert hat. Ohne diese Unterstützung bleibt selbst das herausforderndste Training folgenlos.

Der Maßstab: Entwicklung statt Feedbackbogen

Ausschlaggebend sollte nicht die möglichst gute Bewertung auf dem Feedbackbogen sein, sondern die tatsächliche Entwicklung, die mit entsprechendem Transfer im Arbeitsalltag Früchte trägt. Wohlfühlen ist schön – Wachstum ist wichtiger.

Was L&D jetzt tun kann

Meine Ermunterung an alle L&D-Kolleginnen und -Kollegen in HR: Traut euch, euren Mitarbeitenden etwas zuzumuten. Für ein zukunftsfähiges Unternehmen ist transformatives Lernen wie Luft zum Atmen.

Konkret heißt das: Stellt euch bei der nächsten Trainingsplanung diese Fragen:

  • Was soll sich im Arbeitsalltag konkret verändern?

  • Welche Komfortzone muss verlassen werden, damit echte Entwicklung stattfindet?

  • Wie unterstützen wir den Transfer nach dem Training?

  • Sind die Führungskräfte eingebunden und stehen hinter dem Lernziel?

Nicht jedes Training muss wehtun. Aber wenn wir ehrlich sind: Die Trainings, die uns am meisten gebracht haben, waren selten die bequemsten.

Welche Trainings bietet ihr euren Mitarbeitenden an? Ich freue mich auf deine Erfahrungen und einen tiefergehenden Austausch dazu. Möchtest du mehr über wirksame Lernformate erfahren? Dann lass uns vernetzen und in den Austausch kommen.